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Wer rasiert, der verliert ...

HV Rot-Weiß Staßfurt vs. Eisenbahner 22:24 (13:10)


... oder, ein bisschen Aberglaube darf´s schon sein. Als sich der Berichterstatter und der Manager Uwe Heller auf der Rückfahrt nach Dresden über das Spiel und seine Umstände unterhielten, outeten sie sich beide als für diesen Tag unrasierte Personen. Manchmal soll es ja nützlich sein, wenn zum Willen auch noch ein wenig Glaube dazu kommt. Die einen denken an ihren Gott, die anderen meinen, dass das Auslassen der morgendlichen Rasur dazu beitragen kann, erfolgreich zu sein. Sei es wie es sei, es hat genutzt! In einer kampfbetonten Partie in der altehrwürdigen Paul-Merkewitz-Halle, mit echtem Parkett! am Rande von Staßfurt begegneten sich 2 Teams auf Augenhöhe, die beide ihre Sorgen hatten. Bei den Milicevic-Schützlingen war es die bisherige Nulldiät aus 3 Spielen, bei den Hausherren die personelle Sorge, die sie umtrieb. Das hielt beide Teams nicht davon ab, von Beginn an voll zur Sache zu gehen. Dem Gegenüber wurde nichts geschenkt. Körperliche Präsenz hüben wie drüben. Die umsichtigen und unaufgeregt agierenden Eisenacher Schiedsrichter trugen mit ihrer Spielleitung dazu bei, dass trotz allem Einsatzes immer der sportliche Rahmen gewahrt wurde. Und ging´s mal über die Grenzen hinaus, dann scheuten sie keine Konsequenzen, bis hin zu Rot für den Staßfurter Tobias Ortmann(28. Minute) oder der dritten 2- Minutenstrafe und damit Ausschluss für Toto Schneider in der 53.Minute. Souverän! Genauso präsentierte sich die Pirnaer Abwehr. Sie war die Basis des Erfolges. Jeder der Spieler, ob Robert Ultsch im Wechsel mit David Lubar , eben Toto, „Hans“ Gavrilovics, Philipp Gildemeister, Nico Schott oder Krzystof Kusal nur um die Anfangsformation mal zu benennen, sie alle kämpften aufopferungsvoll um jeden Ball, blockten, scheuten das 1:1 nicht und gingen unglaubliche Laufwege. Dass die Bank kaum nachstand, sei ausdrücklich erwähnt. Ja, und wenn dann doch gefährliche Wurfgeschosse von hinten durchkamen oder im Duell Angreifer- Torwart dessen Aktion gefordert war, dann stand mit M. Dietze ein Mann zwischen der Pfosten, der an diesem Tag einen richtig guten Job machte. Aber, auch der Gastgeber war nicht faul und schränkte in gleicher Weise den Radius und die Gefährlichkeit der Lok- Angreifer ein. So blieb es eine torarme 1. Halbzeit. Auffällig bei Pirna, dass sich diesmal mehr Spieler als noch zuletzt wirkungsvoll am Angriffsgeschehen beteiligten. Umsichtig Regisseur Krysztof Kusal, der nicht nur den Ball laufen ließ, sondern auch mit starkem Zug zum Tor die sonstigen Protagonisten um Toto Schneider entlastete. Doch gegen Ende der ersten 30 Minuten kamen die Hausherren, auch bedingt durch Unterzahl der Gäste, besser ins Spiel und netzten mit einigen zielsicheren Rückraumwürfen ein. Es musste gehandelt werden, um so den Gegner vor neue Herausforderungen zu stellen. So bekam u.a. der TW eine kleine Verschnaufpause und somit der erst 18-jährige Philipp Ihl die Chance in seinem Kurzeinsatz Ligaluft zu schnuppern. Die Deckung wurde auf 4:2, d.h. mit 2 offensiven Deckungsspielern umgestellt, um so den Rückraum der Staßfurter in seinem Wirken einzuschränken. Der Halbzeitstand von 13:10 signalisierte Pirna, hier muss noch eine Schippe draufgelegt werden. Aus der Kabine kommend konnte man den Willen der Pirnaer förmlich spüren, dass Spiel zu biegen. In der 40. Minute, beim 17:15 war man wieder dran. Sehr diszipliniert wurden die Vorgaben des Trainers umgesetzt. Nicht zu vergessen die lautstarken Fans, die wie wild auf ihren Perkussionsinstrumenten trommelten, als wäre der letzte Tag gekommen. In der 50. War´s geschafft. Unsere Jungs führten beim 21:19 tatsächlich mit 2 Toren.



In der dramatischen Schlussphase verteidigten sie aufopferungsvoll den Vorsprung. Herausragend die Abwehr um unseren Torwart, der fast schon artistisch auf den Weg in die rechte untere Ecke noch mit der Hand an ein Geschoß unten links rankam. Das löste Emotionen aus, die dringend benötigt wurden, um den anstürmenden Gastgebern Paroli zu bieten. Herausgehoben werden soll an dieser Stelle noch Srdan Gavrilovic, der bis auf einen 7- Meter alle anderen 5 nervenstark im gegnerischen Gehäuse unterbrachte und auch aus dem Spiel heraus traf. In der zum Schluss praktizierten Manndeckung blieben die Jungs trotz der Dramatik und zweier Ballverluste cool und brachten den Sieg heim. Natürlich, einen Schönheitspreis gab es für dieses Spiel nicht, aber wer fragt schon danach, wenn das Ergebnis stimmt und die SG nun vor der 3- wöchigen Pause die ersten 2 Punkte auf dem Konto hat. Ja und die Unrasierten? Die konnten sich am Sonntag früh in tiefer Zufriedenheit der überzähligen Gesichtshaarpracht entledigen.

Spielstatistik (PDF)
Autor: C. Dietze
Fotos (obere Reihe): J. Krupa / Fotos (untere Reihe): C. Dietze