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"Wir müssen da jetzt durch!"

Artikel von TAG24 Dresden

Sachsen befindet sich zum zweiten Mal im Lockdown. Wenn auch der erste Lockdown in Frühjahr und Sommer strenger war, müssen bis 30. November wieder ganze Branchen ihren Betrieb fast völlig einstellen. Theater, Museen, Konzert- und Eventbereich, Klubs und Gastronomie sind geschlossen, der Amateursport ist lahmgelegt. Wie meistern diejenigen ihr Leben, die zur Tatenlosigkeit verdonnert sind, was denken sie darüber und wie sichern sie ihr Einkommen? Wir stellen Betroffene vor.

Der Handball hat das Leben von Dusan Milicevic (40) bestimmt. Er ist serbischer Ex-Nationalspieler, Ex-Spieler und Trainer der SG Pirna Heidenau (Mitteldeutsche Oberliga) sowie Sportlehrer in Dresden und Bautzen. "Zum Glück können die Kinder in die Schule gehen, damit haben sie etwas Normalität", sagt Dusan Milicevic. Der 40 Jahre alte Serbe, in Pozarevac geboren, mit einer Rechtsanwältin verheiratet und dreifacher Vater, ist Trainer des Handball-Oberligisten SG Pirna Heidenau.

Seit 2. November trainieren seine Schützlinge zu Hause individuell mit Trainingsplänen, die er ihnen erstellt hat. "Ich hoffe sehr, dass es in Kürze möglich sein wird, dass zumindest zwei Spieler zusammen auch mal mit einem Ball trainieren können." Mitte Dezember soll die Meisterschaft fortgesetzt werden. "Sogar vier Tage vor Weihnachten gibt es dann noch einen Doppel-Spieltag, weil wir sonst zeitlich nicht mehr hinkommen." Durch den coronabedingten Abbruch der Vorsaison gab es keine Absteiger, "dementsprechend groß ist jetzt das Starterfeld". Nach sechs Spieltagen rangiert die SG Pirna Heidenau auf Rang drei im 17er-Feld.



"Die ganze Jammerei bringt nichts. Corona hier, Corona da, wir müssen jetzt durch diese Phase durch", sagt Milicevic, der als Sportlehrer an der Dresden International School sowie an einer Schule in Bautzen arbeitet. "Der Sportunterricht läuft unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften weiter, ich bin ständig auf Achse." Seine Frau Ivana hält ihm den Rücken frei, kümmert sich liebevoll um die drei Kinder. "Die Kids können derzeit auch nicht zum Training, da müssen wir improvisieren", sagt der stolze Papa. Djordji spielt Fußball im Nachwuchs beim SC Borea Dresden, Milan kickt beim VfL Pirna-Copitz, und Nesthäkchen Milica ist Cheerleader bei den Arrows in Pirna. Oma und Opa sehen die Kinder selten. "Wir waren im Sommer zu Hause, obwohl es eine kritische Zeit war. Aber wir mussten die Eltern in Serbien besuchen, die sehr lange allein waren, unter anderem sechs Wochen Ausgangssperre hatten", berichtet Milicevic. "Es war sicher nicht der typische Urlaub, aber es war eine sehr schöne Zeit mit der gesamten Familie."

Nach Deutschland kam Dusan Milicevic zum ersten Mal 2007, spielte damals für den HC Empor Rostock in der zweiten Liga. "Danach war ich beim dänischen Erstligisten in Kopenhagen aktiv und noch ein Jahr in Skopje, bevor ich 2011 nach Pirna kam. Wir spielten damals in der dritten Bundesliga Ost", berichtet der Ex-Auswahlspieler, der mit 22 sein Debüt in der serbischen Nationalmannschaft feierte. "Zuvor war ich Turner, habe es bis zum jugoslawischen Nachwuchsmeister geschafft. Erst mit 16 bin ich zum Handball."

Er gewann dreimal das Double mit einem Verein, spielte auch für Partizan Belgrad. "In Dresden wird man sich vor allem an die Fußball-Europapokalspiele gegen Partizan und Roter Stern Belgrad erinnern. Das waren heiße Duelle."

Die Rückkehr in die dritte Liga ist für Dusan Milicevic immer Thema, "daran ändert auch Corona nichts. Die anderen Vereine haben auch diese Probleme". Dafür die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, wird auch in Pirna schwierig, zumal die Zuschauer-Einnahmen in den vergangenen Wochen schon in den Keller gewandert waren. Zuletzt durften noch 100 Leute in die "Hölle Ost" auf dem Pirnaer Sonnenstein, dazu zählten allerdings auch Spieler, Schiedsrichter, Funktionäre oder Sponsoren.

"Mein Traum ist es, mit Tausenden Menschen auf dem Marktplatz in Pirna den Aufstieg zu feiern und mit ihnen zu tanzen. Den Traum kann mir keiner nehmen", sagt Milicevic. "Ich bin Serbe, wir stehen immer wieder auf und kämpfen weiter."


J. Schwarz
M. Förster
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